Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  Dezember 2018 ***



Alle Jahre wieder...



Olga Popova

ich sitze in meiner bescheidenen Kemenate über den Dächern von Konstanz, habe vor mir meine flackernde (und rußende) Weihnachtskerze sowie einen Aufguss-Punsch aus einer Art Teebeutel mit Zimt und Orange, höre aus meinem alten Transistor-Radio von Wham den Titel "Last Christmas" und starre auf meine Poinsettie-Pflanze, besser bekannt als Weihnachtsstern, die mir Miss Understood viel zu frühzeitig geschenkt hat. Wieso zu frühzeitig? Na, weil diese Dinger mir in der beheizten Zimmerluft bis zum 2. Advent spätestens alle roten Blätter abwerfen und ein grüner Stängel für Weihnachten übrig bleibt und der nicht so hübsch anzusehen ist. Aber Geschenktes wirft man ja nicht in die Tonne. Das ist Respekt vor der noblen Geste.
Haarspray soll helfen, also mit kräftigem Sprühstrahl von Allwetter-Taft fixieren und auf ewig konservieren. Ja, das hatte ich letztes Jahr versucht und die Sprayflache versehentlich gegen mich gerichtet, was unmittelbar zum Arzt führte, weil mir die Augenlider verklebten und auch jede Menge Spray meinen Schlund erreichte, ich den Ekel mit Punsch nachspülte und alles im Verdauungstrakt landete. Ja, es wurde mir übel. Ich hätte zwar früher aufhören können mit Dauersprühen, aber denkt eine Frau Popova im Eifer des Konservierungsgefechts denn an so etwas? Dumm von mir, aber hinter der Bühne macht so etwas eben die Maske. Außerdem viel hilft viel, also Button down, Spray heraus, bis das Treibgas weg und die Dose leer ist.
Liebe Kinder, nicht nachmachen! Haarspray ist nicht zum Verzehr geeignet!
Nun, dieses Jahr sitze ich hier und schaue Miss Understoods Geschenk beim Verwelken zu. Ich könnte zwar auf den Weihnachtsmarkt, aber die Bühnengeschäfte laufen gerade nicht so immens, dass ich mir das leisten könnte. Ach ja, ich hatte so gehofft, dass der Solidaritätszuschlag endlich aus Solidarität mit verarmenden Künstlerinnen auch mir zukommt. Dagegen zahle ich diesen unverändert und steig an andere. Aber ich will zu Weihnachten nicht politisieren.
Dennoch würde ich analog zum Brexit nächstes Jahr gerne den Sexit wählen. Nein, nichts Unanständiges, den Soli-Exit... Aber das sind leere Versprechen,
Mein Punsch braucht noch etwas Geist. Also Rum hinein, ein Löffelchen oder zwei oder drei oder ein Glas voll...
Wann kommt eigentlich Wally Geier mit den alljährlichen Plätzchen vorbei? Kommt sie dieses Jahr überhaupt und wenn ja, bringt sie wieder ihre Keksdose mit? Was schenke ich ihr denn zurück? Ein Glas Punsch, ein konservierendes Haarspray für ihre sehr ureigene Frisur? Hm, gut, da gehe ich mal shoppen die Tage...
Frau Hausmeisterin Bang Bang La Desh bekommt wie jedes Jahr eine Kittelschürze. Das ist so wie bei Altmeister Loriot und dem Herrengeschenk bei Hoppenstedts - unzählige Krawatten. Fast so gut wie für Damen bei Familie Heinz Becker in alter Rollenverteilung der Schnellkochtopf.
Ach, Geben ist seliger, denn Nehmen, nicht wahr? Besang schon Reinhard May in seinem Lied "Weihnachtstag".
Nach guter alter Tradition brauche ich auch noch ein Nadelmonster, dem ich beim Entnadeln zusehen kann und der meinen Staubsauger in den Härtetest treibt - einen Christbaum.
Oder ich verreise einfach über Weihnachten gen Süden..., komme zurück an Silvester zum Korkenknallen und Feuerwerk. Hm, was bringt mir wohl das neue Jahr? Ich hoffe, nur Gutes!
Dasselbe wünsche ich Euch, nur Gutes im neuen Jahr und schlicht zuvor frohe Festtage, egal ob fernab oder vor Ort mit den guten alten Weihnachtsbräuchen!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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