Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  Oktober 2019 ***



Ich weiss nicht...



Olga Popova

also wirklich, ich weiss frei nach Sokrates nur, dass ich nichts weiss. Nein, ich will nicht philosophieren, aber es gibt derzeit gehypte Bundespolitiker, die unfreiwillig zugeben, dass sie nichts wissen. Robert Habeck, Teil der Bundesspitze der Grünen blamierte sich im ARD-Interview zur steuerlich absetzbaren Pendlerpauschale. Ich nähme das zurück, wäre er Stotterer, doch seine großen Reden lassen diesen Rückschluss nicht zu. Im Interview sagte er: 'Wenn man den Benzinpreis um 3 Cent erhöht, die Pendlerpauschale aber um 5 Cent erhöht, dann lohnt es sich eher, mit dem Auto zu fahren...' und weiter nach Hinweis, dass die Pendlerpauschale für alle Verkehrsmittel gelte, 'Dann ist es ja nur die Erstattung des Bahntickets, und die... oder wird die dann... das weiss ich gar nicht'. Nun, die Klimaschützer sollten doch über solche Dinge Bescheid wissen. Von Fridays for Future (FfF) erwartet man das nicht. Diese blockieren mal die Zugänge zur Internationalen Automobilausstellung, kurz IAA, mal die Stuttgarter Innenstadt, um andere Mitmenschen, die nur ihre Freiheit ausleben, in ihrer Freiheit zu beschränken. Wusste doch Immanuel Kant, dass die Freiheit des einzelnen dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt. Kennen Sie Kant? Einer der größten Philosophen des deutschen Kultur- und Sprachraums. Unter dem Siegel des Guten, des Klimaschutzes, scheint aber manchen momentan sogar Freiheitsbeschränkung Dritter legitim zu sein. Was hätte FfF zu meinem alten Stinker-Trabant gesagt? Vermutlich hätten sie Steine nach mir geworfen...
Wir haben kein Recht, Auto zu fahren, SUV's schon gar nicht, weil der Jugend wird dadurch die Zukunft verbaut, den Alten wird nicht vergeben. So auch Greta Thunberg, die beim Klimagipfel wütend anklagte, während US-Präsident Trump sie verhöhnte. Nun, Trump hat jetzt auch andere Probleme, nach dem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten und dem drohenden Amtsenthebungsverfahren.
Jedenfalls klingt das nach neuem Generationenkonflikt fast wie in den 1968er-Jahren. Bundeskanzler Kiesinger regierte damals mit der Notstandsgesetzgebung. Unsere Bundespolitik legt ein Klimaschutzkonzept vor, das außer Kritik noch nichts bewirkt hat.
So, jetzt ein Wort von Frau Popova: Erstens sind die Freiheitsgrenzen zu achten, nötigenfalls hat sie der Staat zu schützen. Zweitens wird die Notwendigkeit zum Klimaschutz nicht geleugnet. Es braucht weltweit, nicht nur in Deutschland ernsthaftes Bemühen, der Klimaerwärmung entgegen zu wirken. Drittens ist Meinungsäußerung und Meinungsbildung verfassngsrechtlich geschützt, aber bitte keine Hysterie, wie sie auch der FDP-Vorsitzende Lindner andeutete. Ich weiss, jetzt muss sich auch Frau Popova vor FfF abducken. Aber genau darin liegt das Problem. Es geht nicht mehr um bloße Bewusstseinsbildung und kraft Überzeugung Verhaltensänderung, sondern Zwang. Klimaschutz scheint alles zu rechtfertigen. Wie Ole von Beust schrieb, Mut von Frau Thunberg ohne Demut wird zum Übermut oder zur Besessenheit.
Das führt zu Spott, als solle Greta Thunberg heilig gesprochen werden. Ganz ehrlich, so nett und sympathisch finde ich sie nicht. Sie mag von ihrem Ansinnen überzeugt sein, aber nett, aber sympathisch, aber liebenswert? Anklage ist selten liebenswert. Oder liebt der Delinquent seinen Staatsanwalt? Wäre etwas viel verlangt. Und wem nützt das? Selbstredend der Gegenbewegung der AfD. Alles droht ins Gegenteil umzuschlagen, Herr Gauland hat das schon gewittert.
Wir lachen verfrostet über das Johnson-Brexit-Chaos in Großbritannien, das nach einem Brexit kraft schottischem, vielleicht auch nordirischen Sonderweg dem Weg zu "little England" wäre. Make Britain great again..., ja, nur etwas kleiner eben...
Wir lachen aber nicht über das Chaos, das derzeit unter dem Siegel des Klimaschutzes droht. Beides ist ernst zu nehmen.
Da ist es schon eine Lokalpostille, was in Österreich mit Ibiza-FPÖ-Strache und Ex-Kanzler Kurz, der auch neuer Kanzler sein wird, im Wahlkampf so alles kolportiert wurde.
Die Welt ist aus den Fugen irgendwie, verzeiht mir diese doch recht politische Kolumne. Aber man wird nahezu irre. Und Irrsinn ist kein guter Ratgeber, weder für KLimaschutz, noch für andere politische Themen, ob Brexit oder anderes..., deshalb keep cool...
Meine Mitschwestern und ich sind nahezu schwindelig gespielt...

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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