Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  August 2019 ***



Support...



Olga Popova

Da sitze ich in meiner bescheidenen Kemenate, meiner Dachgeschosswohnung über den Giebeln der Konstanzer Altstadt und wie jeden Morgen koche ich meinen Zichorien-Kaffee. Zum morgendlichen Ritual gehört auch mein altes Transistorradio. Knopfdruck und da scheppert Musik in Mono durch den Küchenraum. Doch heute ist alles anders. Auf Knopfdruck tut sich nichts...
Ich habe von Miss Understood einmal den Tipp erhalten, bei Elektrogeräten erst einmal prüfen, ob der Stromstecker in die Steckdose eingesteckt ist. Ok, Stecker steckt in der Steckdose.
Wally Geier gab einmal den weiteren Tipp, Wackelkontakte weichen machmal, wenn man das Gerät kräftig schüttelt. Ok, ich stecke den Stecker aus der Steckdose, nehme das Transistorradio in beide Hände und schüttle es von links nach rechts, von oben nach unten und diagonal. Ich schließe es wieder an und drücke den Anschaltknopf. Nichts, kein Ton...
Frau Hausmeisterin Bang Bang LaDesh teilt mir nach Herbeirufen mit, da gebe es doch Gerätesupport oder die Elektrowerkstatt in der Altstadt.
Ok, mein Besuch bei der Elektrowerkstatt ist auch nicht von Erfolg gekrönt. Der Techniker dort begutachtet das Gerät oberflächlich und sagt, dass so etwas seit mindestens vierzig oder fünfzig Jahren nicht mehr gebaut werde, Ersatzteile Fehlanzeige, außerdem sei das Gerät keine Reparatur mehr wert, also reif für den Müll. Natürlich zeigt er mir verfügbare Soundanlagen, die seien zeitgemäßer und... ich habe ihn durschaut - natürlich sehr teuer! Ich mache dankend kehrt und schleppe meinen elektronischen Krankheitsfall wieder nach Hause.
Gut, da gab es doch so etwas wie Support. Also zumindest laut Frau Hausmeisterin. Ich wage mich ins Internet, finde aber keine Herstellerseite. Ich finde einen obskuren Link zu einer Vintage-Gerätereparaturfirma mit Telefonnummer. Ich rufe an.
Nach Begrüßungsformel gleich die Frage nach Geräteart, Hersteller und Alter. Gut, Geräteart ist Radio. Hersteller ist ein usbekischer volkseigener Betrieb, in der DDR hätte man einst von VEB gesprochen. Unverständnis am anderen Telefonende. Frage nach dem Alter..., hm, ich nenne mein Alter, vermutlich benötigt, um meine Geschäftsfähigkeit zu prüfen..., ich nenne widerwillig mein Alter..., fragt man so etwas eine Dame? Unüberhörbar werden am anderen Telefonende die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Ich höre was von, '...ihr glaubt es nicht, da ruft jemand an, der ein xx-altes No Name-Gerät supporten lassen will. Ausdruck von Entsetzen..., Gelächter, mit kurzem 'schönen Tag noch' aufgelegt. Glauben die, ich veräpple sie?
Ok, Support war Irrweg.
Irgendwie beschleicht mich eine Art von Enttäuschung. Ich stelle das Gerät wieder an seinen Platz, stecke es ein, drücke den Anschaltknopf und..., oh, ja, es läuft wieder, hurra!!!
Ich weiß nicht, was war..., meine Mitschwestern meinen, ein Wackelkontakt... wir wissen aber nun, mit Schütteln lässt sich ein solcher wohl nicht immer beheben. Jedenfalls mein Transistorradio läuft wieder und läuft und läuft... usbekische Wertarbeit eben!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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